Datenschutz – das war doch das vor Internet

Datenschutz und Internet passen nicht zusammen – es sind zwei unterschiedliche Denkmodelle. Allerdings wird gerade versucht – oftmals mangels Verständnis – die beiden in Einklang zu bringen. Nun hat Henning Tillmann einen wertvollen Beitrag zur Verdeutlichung des Denkmodells “Internet” verfasst, auf den ich hier gerne verweisen würde.

Wie das Internet funktioniert (grob)

Es mag an vielen (politisch Verantwortlichen) vorbei gegangen sein, aber die Grundidee des World Wide Web ist es, Informationen so transparent wie möglich verfügbar zu machen. Für alle. Darüber hinaus beruht es auf der Logik eines Protokolls (http), das es Servern ermöglicht untereinander zu kommunizieren und auch die Übermittlung von Inhalten an den Browser mittels einer standardisierten Programmiersprache (html) erledigt. Damit die Kommunikation zwischen Browser und Servern funktioniert werden sogenannte Kopfdaten ausgetauscht. Zur Verdeutlichung hier mal ganz grob:

“Hallo?”
“Hallo! Wer bist Du?”
“Ich bin der Browser soundso, wer bist Du?”
“Ich bin der Server sowieso, was willst Du?”
“Ich suche die Website inetwaso, dazu die Bilder und Videos und…”
“…”

Innerhalb dieser Kommunikation zwischen Browser und Server werden Informationen ausgetauscht (z.B. die IP Adresse, Cookies, der Referrer).  So funktioniert das Internet. Und zwar seit 1989.

Was der Like-Button mit einem Bild gemeinsam hat

Ebenfalls schon seit 20 Jahren gibt es die Möglichkeit Bilder in eine Website einzubinden. Die Bilder müssen dazu nicht einmal auf dem eigenen Server liegen, was aus diversen Gründen auch gut so ist. Dabei holt sich der Browser die Bilder von dem fremden Server und überträgt dabei den Namen der Website, die das aufzurufende Bild enthält. Wenn man nun auf dem fremden Server ein Programm laufen hat, das analysieren kann, welche IP das Bild auf welcher Website anschauen will, dann entsteht so ein Benutzerprofil.

Das ist so grob das Prinzip, mit dem auch Facebook anhand des Like-Buttons nachverfolgt, welcher (eingeloggte) Benutzer welche Seite besucht. Facebook kann dies auch dann tracken, wenn man den Like-Button gar nicht klickt. Ebenso macht das könnte das auch Google mit AdWords, Werberinge mit Bannern, Flickr mit Bildern, Youtube mit Videos usw. machen.

Das interaktive Beispiel

Henning Tillmann hat nun ein Beispiel programmiert bei dem ein Bild in Websites eingebunden wird. Das dynamisch geladene PNG verdeutlicht, was für Informationen beim bloßen Einbinden des Bildes übermittelt werden und stellt diese dar:

PrivacyImg - Ein interaktives Beispiel.

Ein interaktives Beispiel für Übertragung von HTTP-Kopfdaten durch Einbindung von Grafiken. Konfiguration und Löschung der Daten hier möglich.

Henning Tillmann schreibt dazu in seinem Artikel:

Die oben angezeigte Grafik läuft auf dem Server tilli.me und legt auf drei verschiedene Arten Bewegungsprofile an. Wohl gemerkt: Es handelt sich hierbei um eine Grafik! Die Datensätze werden anhand der IP-Adresse, einer einzigartigen Computerkennung (Cookie) und eines Nicknames erhoben. Das letzte Beispiel soll somit das Verhalten eines Social Networks andeuten. Damit das Beispiel eindrucksvoll sein kann, wäre es gut, wenn andere Websites die Grafik für Demonstrationszwecke übernehmen (siehe unten). Auf der Konfigurationsseite kann der Nickname angepasst werden, alle gespeicherten Datensätze angezeigt und auch gelöscht werden. Die Daten werden nach 14 Tagen auch automatisch gelöscht.

Fazit

Anhand dieser Beispiel-Grafik zeigt sich sehr schön, wie das Internet grundsätzlich funktioniert und dass Facebook (und anderer) lediglich die vorhandenen Techniken genutzt hat um die Bewegungen von uns im Internet nachvollziehen zu können.

Ich persönlich bin der Meinung, dass nicht der Like-Button an sich das Problem ist, sondern bestenfalls, dass Facebook gespeicherte Daten nicht wirklich löscht. Es macht also keinen Sinn, sich mit den Grundfunktionen des Internets auseinander zu setzten. Wohl aber schon, Facebook dahin zu bewegen, dass mit den gespeicherten Daten sorgfältiger und verantwortungsbewusster umgegangen wird. Facebook daran zu hindern Daten über den Linke-Button zu sammeln halte ich für schlecht möglich und steht außerdem im Gegensatz zur Grundidee des Internets.

Hier geht es zum Artikel von Henning Tillmann: Der Facebook-Like-Button oder: das Datenschutzproblem seit 20 Jahren

Bild: aboutpixel.de / connection © Bernd Boscolo



// Kommentar schreiben
// Trackback URL
// Kommentare als RSS 2.0

9 Kommentare zu "Datenschutz – das war doch das vor Internet"

  • Daniel sagt:

    Hallo Tilmann,

    Facebook nutzt die vorhandenen Möglichkeiten – das ist richtig und es muss auch mal gesagt werden. ABER: Es geht Facebook absolut GAR NICHTS an, auf welchen anderen Seiten außerhalb Facebook ich mich noch bewege, es sei denn, ich teile es ihnen mit.

    Und das ist der springende Punkt: Vorhandene Möglichkeiten auszunutzen rechtfertigt noch lange nicht die Handlung an sich. Und vor allem nicht in dem Umfang und dieser perfiden Scheinheiligkeit wie es Facebook tut. Da kann sich ein Herr Zuckerberg tausend mal auf die Bühne stellen und behaupten, Datenschutz sei was von vorgestern. Denn das ist nur eine billige Rechtfertigung und zudem eine Manipulation der Nutzer. Nichts anderes!

  • Hi Daniel.

    Stimmt. Ich finde auch, dass Facebook mit den Daten, die ihnen zugespült werden verantwortungsbewusster umgehen muss. Klar.

    Ich meine ja nur, dass man heutzutage als Internet-User wissen sollte, was passiert, wenn man wo drauf klickt und wissen sollte, wie man sich aus einem Netzwerk wieder ausloggt. Und wer das nicht tut (ich mach das nie…) der kann dann nicht Facebook dafür verantwortlich machen, dass es die Daten auch sammelt.

    Dass Facebook diese Daten anders behandeln muss, als bisher, das steht auf einem ganz anderen Blatt und ich glaube da sind wir uns auch alle einig.

  • Daniel sagt:

    Was sie aber mit Sicherheit nicht machen werden. Facebooks Kapital sind ja deren Nutzer. Wieviel ein Nutzer inzwischen wohl wert sein mag? Anfang des Jahres waren es noch 100 Dollar pro User.

    Aufklärung ist alles. Leider aber leben wir in einer Welt, in der sich alle für nichts interessieren. Da kann man noch so viel reden. Welche neue Frisur Promi XY hat, ist da viel interessanter. Und Facebook nutzt das Desinteresse schamlos aus. Das kann man ihnen ja noch nicht einmal vorwerfen. Sie wollen auch “nur” Geld verdienen.

  • Das mit #facebook, #datenschutz und warum das Internet nicht dafür gemacht ist http://t.co/4i8tZ9Pn

  • Tetris sagt:

    Hallo Tocki,
    interessanter Artikel und faszinierende Grafik! :)
    Zum Thema “Wie das Internet funktioniert” fällt mir noch ein Video von der Sendung mit der Maus ein, das wir letzte Woche in einer Internet Computing-Vorlesung angesehen haben. :D http://www.wdrmaus.de/sachgeschichten/sachgeschichten/sachgeschichte.php5?id=84
    Liebe Grüße!

  • Hi Thörös,

    Ihr müsst euch so alten Krempel in der Vorlesung anschauen? Oje.

  • #Internet und #Datenschutz haben noch nie zusammengepasst, schreibt @Tocki in einem lesenswerten Post http://t.co/bwBBixp3

  • Datenschutz – das war doch das vor Internet // Blog.Tocki | Tilman Ockert, Stuttgart http://t.co/j0KXhDvW

  • Maja O. sagt:

    Facebook und Datenschutz. Das ist wirklich eine Sache für sich! Klar weiß ich, dass, wenn ich mich bei FB anmelde und auch Sachen poste/like, die vorerst gespeichert werden. Dass ich dann aber gezielt Werbung und auch Emails erhalte von Firmen, denen FB mein Geschmack/ meine Interessen mitgeteilt hat, dann geht das meiner Meinung nach entschieden zu weit! Es muss ja auch möglich sein, sich in einer Community anzumelden, ohne gleich vollständig überwacht zu werden und immer im Hinterkopf behalten zu müssen “Die speichern alles mit und das dauerhaft”…

Schreibe einen Kommentar